Dieser Artikel richtet sich an Selbstständige, die ihren Rürup-Vertrag kritisch bewerten wollen. Wir zeigen, warum die Nachteile der Rürup-Rente für Selbstständige besonders schwer wiegen — von der fehlenden Liquidität über die Renditeschwäche bis zu den rechtlichen Optionen, die das BGH-Urteil 2023 eröffnet hat.
Kurzfassung
- Die Rürup-Rente wurde 2005 speziell für Selbstständige eingeführt. Aber gerade für Selbstständige sind die Nachteile am gravierendsten — weil ihr Einkommen schwankt, ihre Liquidität existenziell ist und ihre Altersvorsorge flexibel sein muss.
- 3,7 Millionen Selbstständige in Deutschland bilden die primäre Zielgruppe. Geschätzt 70–80 % haben eine Basisrente abgeschlossen (DIW Selbstständigenstatistik, 2024; GDV Branchendaten, 2024).
- Die Kombination aus fehlender Liquidität, hohen Kosten und Inflationsverlust trifft Selbstständige härter als Angestellte — weil sie kein Sicherheitsnetz aus gesetzlicher Rente und Arbeitgeberbeiträgen haben.
- Zwischen 30 und 50 % der Verträge aus 2005–2015 weisen nachweisbare Fehler auf (Verbraucherzentrale, 2024; Kanzleinetzwerk, 2024). Eine kostenlose Prüfung zeigt, ob ein Ausstieg möglich ist.
Inhalt dieses Artikels
- Ein Produkt für Selbstständige — das Selbstständigen schadet
- Nachteil 1: Gebundenes Kapital bei schwankendem Einkommen
- Nachteil 2: Kein Notgroschen, kein Zugriff, keine Ausnahme
- Nachteil 3: Kosten, die Selbstständige doppelt treffen
- Nachteil 4: Kein Inflationsschutz bei sinkender Kaufkraft
- Nachteil 5: Der Steuervorteil funktioniert nur bei konstant hohem Einkommen
- Nachteil 6: Die Altersvorsorge-Lücke — Rürup allein reicht nicht
- Was Selbstständige stattdessen hätten tun können
- Warum der Ausstieg jetzt möglich ist — und warum er sich lohnt
- FAQ: Die 6 wichtigsten Fragen für Selbstständige mit Rürup
- Quellen
1. Ein Produkt für Selbstständige — das Selbstständigen schadet
Als die Rürup-Kommission 2004 die Basisrente entwarf, war die Zielgruppe klar definiert: Selbstständige und Freiberufler, die nicht in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen und daher eine steuerlich geförderte Altersvorsorge brauchen. In Deutschland betrifft das circa 3,7 Millionen Menschen — Architekten, Ärzte, Rechtsanwälte, Handwerker, Berater, Kreative, Gastronomen (DIW Selbstständigenstatistik, 2024; Statistisches Bundesamt Mikrozensus, 2024).
Für diese Zielgruppe hat die Basisrente auf dem Papier einen Vorteil: hohe Steuerersparnis. Selbstständige mit Spitzensteuersatz können bis zu 23.362 Euro pro Jahr steuerlich absetzen (Stand 2025).
Aber genau diese Zielgruppe hat Eigenschaften, die mit der Basisrente kollidieren:
- Schwankendes Einkommen — Selbstständige haben gute und schlechte Jahre. Ein Produkt mit festen monatlichen Beiträgen passt nicht zu diesem Rhythmus.
- Hoher Liquiditätsbedarf — Geschäftliche Investitionen, Auftragsflauten, Kundenausfälle. Selbstständige brauchen Zugriff auf ihr Kapital.
- Kein zweites Standbein — Angestellte haben die gesetzliche Rente als Basis. Selbstständige haben oft nur die Basisrente. Wenn die nicht performt, gibt es nichts, das den Ausfall auffängt.
- Unternehmerisches Denken — Die meisten Selbstständigen würden ihr Geld lieber selbst anlegen als es einem Versicherer zu überlassen. Die Basisrente nimmt ihnen genau diese Freiheit.
Die folgenden sechs Nachteile zeigen, warum die Rürup-Rente gerade für ihre eigentliche Zielgruppe oft der falsche Weg ist.
2. Nachteil 1: Gebundenes Kapital bei schwankendem Einkommen
Das zentrale Versprechen der Rürup-Rente — Steuerersparnis durch regelmäßige Einzahlung — kollidiert mit der Realität selbstständiger Arbeit.
Das Problem
Selbstständige haben keine konstanten Einkünfte. Ein Unternehmensberater verdient in einem Jahr 120.000 Euro und im nächsten 60.000 Euro. Eine Grafikdesignerin hat im Januar drei Großkunden und im August keinen einzigen. Ein Gastronom kämpft nach einer Pandemie um seine Existenz.
Die Basisrente verlangt aber Regelmäßigkeit. Wer den vollen Steuervorteil nutzen will, muss Jahr für Jahr hohe Beiträge leisten. Und wer in einem schlechten Jahr die Beiträge reduziert, verliert nicht nur den Steuervorteil für dieses Jahr — er verändert auch die Kalkulation des Vertrags, was zu einer Neuberechnung der Kosten führen kann.
Was das in der Praxis bedeutet
Eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung zeigt: Rund 40 % der Selbstständigen in Deutschland haben Einkommensschwankungen von mehr als 30 % zwischen einzelnen Jahren (DIW Wochenbericht Einkommensmobilität Selbstständiger, 2023; Statistisches Bundesamt Einkommensstatistik, 2024). Ein starres Vorsorgeprodukt passt zu dieser Lebensrealität nicht.
Zum Vergleich: Ein ETF-Sparplan kann jederzeit angepasst, pausiert oder erhöht werden — ohne Kostenfolgen, ohne vertragliche Konsequenzen, ohne Verlust.
3. Nachteil 2: Kein Notgroschen, kein Zugriff, keine Ausnahme
Für Angestellte ist die Unkündbarkeit der Basisrente ärgerlich. Für Selbstständige kann sie existenzbedrohend sein.
Warum Liquidität für Selbstständige anders wichtig ist
Angestellte haben ein Sicherheitsnetz: Arbeitslosenversicherung, Kündigungsschutz, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Selbstständige haben nichts davon. Wenn ein Selbstständiger drei Monate krank wird, einen Großkunden verliert oder in eine wirtschaftliche Krise gerät, steht er allein da.
In genau dieser Situation wäre Zugriff auf die eigene Altersvorsorge lebenswichtig — um die Miete zu zahlen, die Firma zu retten, eine Brücke zu bauen. Bei der Basisrente: unmöglich. Das Geld ist gebunden, egal wie dringend der Bedarf ist (§ 10 Abs. 1 Nr. 2 EStG; AltZertV Sperrklausel).
Die Zahlen
Der Versicherungsombudsmann und die Verbraucherzentrale dokumentieren, dass der Wunsch nach Liquiditätszugriff einer der drei häufigsten Gründe für Beschwerden über Basisrenten ist — und bei Selbstständigen der häufigste überhaupt (Versicherungsombudsmann Jahresbericht, 2023; Verbraucherzentrale Bundesverband, 2024).
Eine Befragung unter Selbstständigen mit Basisrente ergab: 62 % würden die Basisrente heute nicht mehr abschließen. Der mit Abstand häufigste genannte Grund: fehlende Flexibilität und Liquiditätszugriff (Handelsblatt/Forsa Selbstständigenbefragung, 2023; Verbraucherzentrale, 2024).
Das besonders perfide Detail
Die Basisrente ist pfändungsgeschützt (§ 851c ZPO). Das klingt zunächst gut — aber es bedeutet auch: Selbst wenn Sie Ihr Geld wollen, können Sie es nicht bekommen. Der Pfändungsschutz schützt Sie nicht vor dem Versicherer — er schützt den Versicherer vor Ihnen.
4. Nachteil 3: Kosten, die Selbstständige doppelt treffen
Die Gesamtkosten einer Basisrente — 14 bis 25 % über die Laufzeit — treffen jeden Versicherten gleich (Finanztest Kostenvergleich, 2023; Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, 2024). Aber für Selbstständige wiegen sie schwerer.
Warum Kosten für Selbstständige doppelt zählen
Grund 1: Opportunitätskosten sind höher. Ein Selbstständiger, der 10.000 Euro pro Jahr in eine Basisrente einzahlt und davon 2.000 Euro an Kosten verliert, hätte diese 2.000 Euro in sein eigenes Geschäft investieren können. Die Rendite einer Investition ins eigene Unternehmen liegt typischerweise weit über den 2–3 % der Basisrente.
Grund 2: Keine Arbeitgeberbeteiligung. Angestellte mit betrieblicher Altersvorsorge erhalten Arbeitgeberzuschüsse, die einen Teil der Kosten kompensieren. Selbstständige zahlen alles aus der eigenen Tasche — jeder Euro an Kosten ist ein Euro, der direkt aus dem eigenen Einkommen fehlt.
Grund 3: Höhere Beiträge, höhere absolute Kosten. Weil Selbstständige den vollen Steuervorteil nutzen wollen, zahlen sie oft den Maximalbeitrag. Bei 23.362 Euro Jahresbeitrag und 20 % Gesamtkosten sind das über die Laufzeit rund 93.000 Euro — eine Summe, die bei einem ETF-Sparplan auf circa 6.000 Euro sinken würde.
Die Kostenrechnung für einen typischen Selbstständigen
| Faktor | Basisrente | ETF-Sparplan |
|---|---|---|
| Jahresbeitrag | 15.000 Euro | 15.000 Euro |
| Laufzeit | 20 Jahre | 20 Jahre |
| Gesamteinzahlung | 300.000 Euro | 300.000 Euro |
| Gesamtkosten | 45.000–60.000 Euro (15–20 %) | 3.000–6.000 Euro (1–2 %) |
| Differenz | 39.000–57.000 Euro | |
Quellen: Finanztest Kostenvergleich, 2023; Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, 2024
39.000 bis 57.000 Euro — das ist ein Kleinwagen. Oder eine Geschäftsinvestition. Oder ein Jahr weniger arbeiten müssen.
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5. Nachteil 4: Kein Inflationsschutz bei sinkender Kaufkraft
Die Inflation betrifft alle gleich. Aber Selbstständige haben weniger Möglichkeiten, sie auszugleichen — weil ihre Altersvorsorge weniger diversifiziert ist.
Das Kernproblem
Angestellte haben in der Regel drei Standbeine der Altersvorsorge: gesetzliche Rente, betriebliche Altersvorsorge und private Vorsorge. Wenn eines davon unter Inflation leidet, fangen die anderen es teilweise auf. Die gesetzliche Rente wird regelmäßig angepasst — nicht perfekt, aber zumindest teilweise.
Selbstständige haben oft nur ein Standbein: die Basisrente. Wenn dieses einzige Standbein real an Wert verliert, gibt es nichts, das den Verlust ausgleicht.
Die konkreten Zahlen
Bei einer durchschnittlichen Inflation von 2,5 % pro Jahr — was unterhalb des jüngsten Durchschnitts von 3,2 % liegt (Destatis, 2024; ifo Institut, 2024) — verliert eine garantierte Rente von 800 Euro innerhalb von 20 Jahren Rentenbezug fast die Hälfte ihrer Kaufkraft:
- Rentenbeginn: 800 Euro (Kaufkraft: 800 Euro)
- Nach 10 Jahren: 800 Euro nominal (Kaufkraft: ca. 625 Euro)
- Nach 20 Jahren: 800 Euro nominal (Kaufkraft: ca. 488 Euro)
Für einen Selbstständigen, der seine gesamte Altersvorsorge auf die Basisrente gestützt hat, ist das keine Unannehmlichkeit — das ist eine Altersarmutsfalle.
6. Nachteil 5: Der Steuervorteil funktioniert nur bei konstant hohem Einkommen
Die Theorie
Der Steuervorteil der Basisrente ist umso höher, je höher der Grenzsteuersatz des Versicherten ist. Ein Selbstständiger mit 100.000 Euro Jahreseinkommen spart bei 42 % Grenzsteuersatz rund 4.200 Euro pro 10.000 Euro Beitrag.
Die Praxis für Selbstständige
Aber Selbstständige haben schwankende Einkommen. In einem guten Jahr zahlen sie den Höchstbeitrag und profitieren vom vollen Steuervorteil. In einem schlechten Jahr können sie die Beiträge kaum aufbringen — und der Steuervorteil fällt gering aus, weil der Grenzsteuersatz niedriger ist.
Das Ergebnis: Der durchschnittliche effektive Steuervorteil liegt bei Selbstständigen mit schwankendem Einkommen deutlich unter dem theoretischen Maximum. Statt 42 % erreichen viele über die gesamte Laufzeit nur einen effektiven Satz von 30–35 % — was den ohnehin schmalen Netto-Vorteil von 7–17 Prozentpunkten weiter reduziert (Finanztip Steueranalyse, 2024; Verbraucherzentrale NRW, 2024).
Das Gegenargument, das keines ist
Berater argumentieren: „Sie können die Beiträge flexibel anpassen." Das stimmt technisch — aber jede Beitragsänderung hat Kostenfolgen. Und in Jahren mit niedrigem Einkommen entfällt der Steuervorteil weitgehend, sodass die Basisrente gegenüber einem flexiblen Sparplan jeden Sinn verliert.
7. Nachteil 6: Die Altersvorsorge-Lücke — Rürup allein reicht nicht
Das versteckte Problem
Vielen Selbstständigen wurde die Basisrente als Komplettlösung für die Altersvorsorge verkauft. „Damit sind Sie im Alter abgesichert." In Wahrheit reicht die Basisrente allein fast nie aus, um den Lebensstandard im Alter zu halten.
Die Rechnung
Ein Selbstständiger, der 20 Jahre lang den Maximalbeitrag von 23.362 Euro pro Jahr einzahlt (Gesamteinzahlung: 467.240 Euro), erhält bei einem Rentenfaktor von 4,0 % eine monatliche Bruttorente von circa 1.600 Euro. Nach Steuern (bei 30 % Steuersatz im Alter) bleiben circa 1.120 Euro netto.
1.120 Euro netto — nach fast einer halben Million Euro Einzahlung. Für einen Selbstständigen, der an ein Einkommen von 6.000 bis 10.000 Euro netto gewohnt ist, eine dramatische Versorgungslücke.
Was ein seriöser Berater gesagt hätte
„Die Basisrente kann ein Baustein Ihrer Altersvorsorge sein — aber nicht der einzige. Sie sollten parallel ein flexibles Depot aufbauen, das Ihnen Liquidität und höhere Rendite bietet. Die Basisrente allein wird nicht ausreichen, um Ihren Lebensstandard zu halten."
Stattdessen wurde vielen Selbstständigen suggeriert, die Basisrente allein sei die Lösung. Das Fehlen einer umfassenden Altersvorsorgeberatung ist ein eigenständiger Beratungsfehler (§ 6 VVG Beratungspflicht; Verbraucherzentrale, 2024).
8. Was Selbstständige stattdessen hätten tun können
Der fairste Vergleich zeigt die Dimension des Problems:
Szenario: Selbstständige Architektin, 40 Jahre, 1.000 Euro/Monat für Altersvorsorge
| Kriterium | Rürup-Rente | ETF-Sparplan | Kombination (50/50) |
|---|---|---|---|
| Monatliche Einzahlung | 1.000 Euro | 1.000 Euro | 500 + 500 Euro |
| Steuerersparnis p. a. | ca. 5.040 Euro | 0 Euro | ca. 2.520 Euro |
| Gesamtkosten über 27 Jahre | ca. 58.000 Euro | ca. 3.200 Euro | ca. 30.600 Euro |
| Endkapital mit 67 | ca. 380.000 Euro | ca. 610.000 Euro | ca. 495.000 Euro |
| Monatliche Rente (netto) | ca. 1.050 Euro | ca. 1.680 Euro (4%-Entnahme) | ca. 1.365 Euro |
| Flexibilität | Null | Vollständig | Teilweise |
| Vererbbar | Nein (bzw. stark eingeschränkt) | Ja, vollständig | Teilweise |
| Liquidität | Kein Zugriff | Jederzeit | Teilweise |
Quellen: Rendite ETF 6 % netto (MSCI Inc., 2024; Finanztest, 2023). Basisrente 2,5 % brutto (Assekurata, 2024; GDV, 2024). Steuerersparnis 42 % auf Basisrenten-Beitrag, Besteuerung Rente ca. 30 %.
Wenn Sie diese Vergleichsrechnung für Ihren eigenen Vertrag durchführen wollen, steht dafür der Rürup-Verlustrechner zur Verfügung — mit Ihren konkreten Beitragsdaten, in wenigen Minuten.
Das Ergebnis: Selbst die Kombination aus Rürup und ETF schlägt die reine Rürup-Lösung — bei mehr Flexibilität, mehr Vererbbarkeit und geringeren Kosten. Die reine ETF-Lösung ist finanziell am stärksten, verzichtet aber auf den Steuervorteil und den Pfändungsschutz.
Das Problem: Dieser Vergleich wurde den meisten Selbstständigen nie gezeigt. Und das ist ein Beratungsfehler.
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9. Warum der Ausstieg jetzt möglich ist — und warum er sich lohnt
Wenn Sie als Selbstständiger eine Basisrente besitzen und sich in einem oder mehreren der sechs Nachteile wiedererkennen, haben Sie rechtliche Optionen.
Widerruf bei fehlerhafter Widerrufsbelehrung
Das BGH-Urteil IV ZR 161/23 (Oktober 2023) hat bestätigt: Bei fehlerhafter Belehrung besteht ein zeitlich unbegrenztes Widerrufsrecht. Bei Verträgen aus 2005–2010 liegt die Erfolgsquote bei 85–92 % (Kanzleinetzwerk Versicherungsrecht, 2024; Versicherungsombudsmann, 2023).
Ergebnis: Alle Beiträge zurück + Zinsen + Kostenerstattung + Nutzungsersatz. Typisch: 100–175 % der Einzahlungssumme.
Schadenersatz bei Falschberatung
Jeder der sechs Nachteile, der bei der Beratung verschwiegen wurde, ist ein potenzieller Schadenersatzgrund (§ 280 BGB). Schadenersatz wird in der Regel von der Rechtsschutzversicherung übernommen.
Warum gerade jetzt?
Drei Gründe:
- Die Rechtslage war nie so günstig wie nach dem BGH-Urteil 2023
- Ältere Verträge haben die höchsten Erfolgsquoten — warten Sie nicht, bis Beweise schwerer zu beschaffen sind
- Das Geld arbeitet besser für Sie, wenn es aus dem Vertrag befreit und intelligent neu angelegt wird
10. FAQ: Die 6 wichtigsten Fragen für Selbstständige mit Rürup
Ich bin selbstständig und brauche den Pfändungsschutz — was dann?
Der Pfändungsschutz ist der einzige objektive Vorteil der Basisrente gegenüber einem ETF-Depot. Wenn Sie als Selbstständiger ein reales Insolvenzrisiko tragen und den Pfändungsschutz bewusst als Absicherung nutzen, kann die Basisrente in einem begrenzten Umfang sinnvoll sein. Aber: Der Pfändungsschutz rechtfertigt nicht die massiven Nachteile bei Kosten, Rendite und Flexibilität. Ein kleiner Basisrentenanteil neben einem größeren ETF-Depot wäre die rationalere Lösung — und genau das hätte Ihr Berater empfehlen müssen.
Was passiert mit meiner Basisrente, wenn ich mein Geschäft aufgebe?
Nichts ändert sich am Vertrag. Die Basisrente bleibt bestehen, ob Sie selbstständig sind, angestellt werden oder in den Ruhestand gehen. Aber: Wenn Sie angestellt werden, zahlen Sie in die gesetzliche Rente ein und haben ein zweites Standbein. Der Steuervorteil der Basisrente sinkt dann relativ — weil Sie die gesetzliche Rente nicht zusätzlich steuerlich absetzen können.
Kann ich meine Basisrente auch als Einzelunternehmer widerrufen?
Ja. Der Widerruf steht jedem Versicherungsnehmer zu — unabhängig von der Rechtsform oder dem aktuellen Beschäftigungsstatus. Ob Einzelunternehmer, GmbH-Geschäftsführer oder inzwischen Angestellter: Ihr Recht auf Widerruf bei fehlerhafter Belehrung ist persönlich und nicht an Ihre berufliche Situation gebunden (§ 355 BGB; BGH IV ZR 161/23).
Verliere ich den Steuervorteil der letzten Jahre, wenn ich widerrufe?
Nein. Die in der Vergangenheit genutzten Steuervorteile bleiben bestehen. Bei der Rückzahlung fallen Steuern nur auf die Zinsen an (Kapitalertragssteuer 26,375 %). Die Rückzahlung der Beiträge selbst ist nicht steuerpflichtig. Ein Steuerberater sollte die individuelle Situation prüfen (Finanztip, 2024; BMF, 2024).
Ich zahle seit 15 Jahren ein — lohnt sich der Ausstieg noch?
Gerade dann. Je länger der Vertrag läuft und je mehr Sie eingezahlt haben, desto höher ist die absolute Rückzahlung bei einem erfolgreichen Widerruf. 15 Jahre Einzahlung mit Zinsen und Nutzungsersatz ergeben eine Summe, die deutlich über dem aktuellen Vertragswert liegt — und die Sie in die eigene Hand nehmen können. Die Erfolgsquoten bei Verträgen aus 2005–2012 liegen bei 72–92 % (Kanzleinetzwerk, 2024; Versicherungsombudsmann, 2023).
Kann ich nach dem Widerruf sofort wieder frei investieren?
Ja. Das zurückerhaltene Kapital gehört Ihnen vollständig und unterliegt keiner Bindung. Sie können es in ein ETF-Depot investieren, in Ihr Geschäft stecken, eine Immobilie kaufen oder schlicht auf dem Konto lassen. Die Freiheit, die Ihnen die Basisrente genommen hat, erhalten Sie zurück.
Kostenfrei & unverbindlich Vertrag prüfen lassen. Eine Erstberatung ist bei unserer Verbraucherschutzkanzlei immer kostenfrei und unverbindlich.
Fazit: Die Rürup-Rente war für Selbstständige gedacht — aber nicht für Selbstständige gebaut
Die Basisrente wurde als Lösung für Selbstständige vermarktet. In der Praxis ist sie ein Produkt, das die spezifischen Bedürfnisse von Selbstständigen — Flexibilität, Liquidität, Eigenverantwortung — systematisch ignoriert.
Wenn Ihnen diese Nachteile bekannt vorkommen und Ihnen bei Vertragsabschluss nicht die ganze Wahrheit gesagt wurde, haben Sie Rechte. Das BGH-Urteil 2023 hat den Weg freigemacht.
Quellen
- BGH — Urteil IV ZR 161/23, Oktober 2023 (Ewiges Widerrufsrecht)
- DIW (Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung) — Selbstständigenstatistik, Wochenbericht Einkommensmobilität, 2023–2024
- Statistisches Bundesamt (Destatis) — Mikrozensus Selbstständige, Verbraucherpreisindex, Einkommensstatistik, 2024
- GDV — Branchendaten Lebensversicherung, Basisrente Vertragsmerkmale, 2024
- Versicherungsombudsmann — Jahresbericht, Beschwerdestatistik, 2023–2024
- Verbraucherzentrale Bundesverband — Basisrenten-Ratgeber, Rentenfaktor-Analyse, 2024
- Verbraucherzentrale Baden-Württemberg — Marktuntersuchung Basisrenten-Kosten, 2024
- Verbraucherzentrale NRW — Basisrenten-Ratgeber, 2024
- Finanztest (Stiftung Warentest) — Kostenvergleich Basisrenten, ETF-Langzeitvergleich, 2023
- Assekurata — Marktausblick Lebensversicherung, 2024
- ifo Institut — Inflationsmonitor, 2024
- MSCI Inc. — MSCI World historische Performance, 2024
- Handelsblatt/Forsa — Selbstständigenbefragung Altersvorsorge, 2023
- BMF — Steuertabelle Basisrente, 2025
- BaFin — Leitlinien Provisionsoffenlegung, 2024
- Finanztip — Steueranalyse Basisrente, 2024
Autor: Rechtsanwalt Stefan Seehofer — Kanzlei Seehofer, Kempten | Spezialist für Verbraucherschutzrecht und Basisrenten-Widerrufe seit über 10 Jahren
Kommentar von Rechtsanwalt und Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht, Stefan Seehofer:
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