Dieser Artikel vergleicht Basisrente und ETF-Sparplan anhand von drei konkreten Rechenbeispielen — und kommt zu einem Ergebnis, das erklärt, warum so viele Versicherte ihren Rürup-Vertrag heute kritisch sehen. Die Zahlen zeigen, wo die Rendite-Lücke entsteht, was Kosten und Steuervorteil in der Gesamtrechnung wirklich bewirken und warum der Vergleich selten in Beratungsgesprächen gezeigt wird.

Kurzfassung

  • Die Basisrente und der ETF-Sparplan verfolgen dasselbe Ziel — Altersvorsorge — mit fundamental unterschiedlichen Ergebnissen.
  • Die Rendite-Lücke ist enorm: Bei 500 Euro monatlicher Einzahlung über 20 Jahre entsteht ein Unterschied von 80.000 bis 120.000 Euro zugunsten des ETF (MSCI Inc., 2024; Finanztest, 2023; Assekurata, 2024).
  • Die Kosten sind der Hauptgrund: Basisrenten kosten 14–25 % der Einzahlungen über die Laufzeit. ETFs kosten 0,5–2,5 % (Finanztest, 2023; Verbraucherzentrale, 2024).
  • Selbst mit Steuervorteil verliert die Basisrente: Der Netto-Steuervorteil von 7–17 Prozentpunkten kompensiert die Kosten- und Renditenachteile in den meisten Fällen nicht.
  • Die entscheidende Frage: Wenn die Basisrente so viel schlechter abschneidet — warum wurde sie Ihnen als beste Option verkauft? (Antwort: Provisionen.)

Inhalt dieses Artikels

  1. Warum dieser Vergleich so wichtig ist
  2. Die Grundlagen: Was Basisrente und ETF unterscheidet
  3. Rechenbeispiel 1: 100.000 Euro über 15 Jahre
  4. Rechenbeispiel 2: 200.000 Euro über 20 Jahre
  5. Rechenbeispiel 3: 300.000 Euro über 25 Jahre — die Maximalrechnung
  6. Der Kostenvergleich: Wo Ihr Geld wirklich hingeht
  7. „Aber mein Rürup läuft doch über ETFs“ — warum das nichts ändert
  8. Was Berater hätten zeigen müssen — und warum sie es nicht taten
  9. Was Sie jetzt tun können
  10. FAQ
  11. Quellen

1. Warum dieser Vergleich so wichtig ist

Viele Rürup-Versicherte machen den ETF-Vergleich erst nach Jahren — wenn sie zufällig auf einen Finanzblog stoßen, einen Podcast hören oder in sozialen Medien darauf aufmerksam werden. Und fast alle reagieren gleich: mit Schock.

Ein Betroffener schrieb unter einem unserer Videos: „Ich habe in 12 Jahren 65.000 Euro eingezahlt und bekomme eine Rente von 190 Euro.“ 190 Euro monatlich. Hätte er dieselbe Summe in einen ETF-Sparplan investiert, hätte er heute ein Depot von circa 105.000 Euro — frei verfügbar, vererbbar, jederzeit entnehmbar.

Dieser Vergleich ist der Grund, warum immer mehr Menschen ihre Basisrente hinterfragen. Und er ist der Vergleich, den Ihr Berater bei Vertragsabschluss hätte machen müssen — aber nicht gemacht hat.

2. Die Grundlagen: Was Basisrente und ETF unterscheidet

MerkmalBasisrente (Rürup)ETF-Sparplan
Steuerliche FörderungJa — Beiträge absetzbar (bis 23.362 EUR/Jahr)Nein — aus versteuertem Einkommen
Kosten über Laufzeit14–25 % der Einzahlungen0,5–2,5 % der Einzahlungen
Durchschnittliche Rendite2,0–2,5 % brutto / 1,0–1,5 % netto6–7 % brutto / 5–6 % netto
KündbarkeitNicht kündbarJederzeit liquidierbar
VererbbarkeitStark eingeschränktVollständig vererbbar
KapitalzugriffKein Zugriff vor 62/67Jederzeit
AuszahlungNur als lebenslange MonatsrenteFrei wählbar (Einmal, Raten, Entnahme)
Besteuerung im Alter86–100 % der Rente steuerpflichtigNur Gewinne besteuert (26,375 %)
InflationsschutzKeiner (nominale Garantie)Ja (Sachwertanlage)
Kosten für Berater/Vermittler4–8 % Abschlussprovision0 Euro

Quellen: Finanztest, 2023; Assekurata, 2024; GDV, 2024; MSCI Inc., 2024; Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, 2024

Die Tabelle zeigt: In 9 von 10 Kategorien schneidet der ETF besser ab. Die einzige Kategorie, in der die Basisrente vorne liegt, ist die steuerliche Förderung. Und genau die reicht — wie die folgenden Rechnungen zeigen — in den meisten Fällen nicht aus, um die Nachteile auszugleichen.

3. Rechenbeispiel 1: 100.000 Euro über 15 Jahre

Profil: Selbstständige, 52 Jahre alt, zahlt 555 Euro/Monat (6.660 Euro/Jahr) über 15 Jahre bis 67.

Basisrente

PositionBetrag
Gesamteinzahlung100.000 Euro
Steuerersparnis (Ø 40 %)ca. 40.000 Euro
Netto-Eigenaufwandca. 60.000 Euro
Gesamtkosten Vertrag (Ø 18 %)ca. 18.000 Euro
Kapital nach 15 Jahren (2,0 % netto nach Kosten)ca. 103.000 Euro
Monatsrente (Rentenfaktor 4,0 %)ca. 345 Euro brutto
Nach Steuern im Alter (Ø 30 %)ca. 240 Euro netto/Monat
Über 20 Jahre Rentenbezugca. 57.600 Euro netto

ETF-Sparplan

PositionBetrag
Gesamteinzahlung (aus versteuertem Einkommen)100.000 Euro
Netto-Eigenaufwand100.000 Euro (kein Steuervorteil)
Gesamtkosten (Ø 0,2 % p. a.)ca. 2.400 Euro
Kapital nach 15 Jahren (6 % Durchschnittsrendite)ca. 194.000 Euro
Monatliche Entnahme (4 %-Regel)ca. 650 Euro
Nach Steuern (26,375 % auf Gewinne)ca. 530 Euro netto/Monat
Kapital vererbbarca. 194.000 Euro

Der Vergleich

KennzahlBasisrenteETF
Netto-Eigenaufwand60.000 Euro100.000 Euro
Netto-Rente/Monat240 Euro530 Euro
Kapital bei Tod0 Euro (Versichertengemeinschaft)194.000 Euro (Erben)
FlexibilitätNullVollständig

Selbst mit 40.000 Euro Steuervorteil liefert der ETF mehr als doppelt so viel Monatsrente — und das Kapital ist vererbbar.

Wenn Sie wissen wollen, wie viel Ihnen Ihr eigener Rürup-Vertrag im Vergleich gebracht hat, können Sie die Zahlen mit dem Basisrente Kalkulator selbst durchrechnen.

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4. Rechenbeispiel 2: 200.000 Euro über 20 Jahre

Profil: Selbstständiger Architekt, 47 Jahre, zahlt 833 Euro/Monat (10.000 Euro/Jahr) über 20 Jahre bis 67.

Basisrente

PositionBetrag
Gesamteinzahlung200.000 Euro
Steuerersparnis (Ø 42 %)ca. 84.000 Euro
Netto-Eigenaufwandca. 116.000 Euro
Gesamtkosten (Ø 20 %)ca. 40.000 Euro
Kapital nach 20 Jahren (1,5 % netto)ca. 198.000 Euro
Monatsrente (Rentenfaktor 4,0 %)ca. 660 Euro brutto
Nach Steuernca. 462 Euro netto/Monat
Über 20 Jahre Rentenbezugca. 110.880 Euro netto

ETF-Sparplan

PositionBetrag
Gesamteinzahlung200.000 Euro
Netto-Eigenaufwand200.000 Euro
Gesamtkosten (0,2 % p. a.)ca. 4.800 Euro
Kapital nach 20 Jahren (6 % Rendite)ca. 462.000 Euro
Monatliche Entnahme (4 %-Regel)ca. 1.540 Euro
Nach Steuernca. 1.230 Euro netto/Monat
Kapital vererbbarca. 462.000 Euro

Der Vergleich

KennzahlBasisrenteETFDifferenz
Endkapital198.000 Euro (gebunden)462.000 Euro (frei)+264.000 Euro
Netto-Rente/Monat462 Euro1.230 Euro+768 Euro/Monat
Kapital bei Tod0 Euro462.000 Euro+462.000 Euro

264.000 Euro Unterschied beim Endkapital. 768 Euro Unterschied bei der monatlichen Rente. Und das Kapital — im einen Fall beim Versicherer, im anderen Fall bei Ihren Erben.

5. Rechenbeispiel 3: 300.000 Euro über 25 Jahre — die Maximalrechnung

Profil: Gutverdiender Freiberufler, 42 Jahre, zahlt 1.000 Euro/Monat (12.000 Euro/Jahr) über 25 Jahre bis 67.

Basisrente

PositionBetrag
Gesamteinzahlung300.000 Euro
Steuerersparnis (Ø 42 %)ca. 126.000 Euro
Netto-Eigenaufwandca. 174.000 Euro
Gesamtkosten (Ø 20 %)ca. 60.000 Euro
Kapital nach 25 Jahren (1,5 % netto)ca. 300.000 Euro
Monatsrente (Rentenfaktor 4,0 %)ca. 1.000 Euro brutto
Nach Steuernca. 700 Euro netto/Monat
Über 20 Jahre Rentenbezugca. 168.000 Euro netto

ETF-Sparplan

PositionBetrag
Gesamteinzahlung300.000 Euro
Netto-Eigenaufwand300.000 Euro
Gesamtkosten (0,2 % p. a.)ca. 7.200 Euro
Kapital nach 25 Jahren (6 % Rendite)ca. 822.000 Euro
Monatliche Entnahme (4 %-Regel)ca. 2.740 Euro
Nach Steuernca. 2.190 Euro netto/Monat
Kapital vererbbarca. 822.000 Euro

Der Vergleich

KennzahlBasisrenteETFDifferenz
Endkapital300.000 Euro (gebunden)822.000 Euro (frei)+522.000 Euro
Netto-Rente/Monat700 Euro2.190 Euro+1.490 Euro/Monat
Über 20 Jahre168.000 Euro525.600 Euro+357.600 Euro
Kapital bei Tod0 Euro822.000 Euro+822.000 Euro

522.000 Euro Unterschied. Eine halbe Million — bei identischer monatlicher Einzahlung. Das ist der Preis der Basisrente.

Quellen für alle Berechnungen: ETF-Rendite 6 % netto (MSCI World historische Performance 1975–2024, Durchschnitt 7,9 % brutto, konservative Annahme 6 %; MSCI Inc., 2024; Finanztest ETF-Langzeitvergleich, 2023). Basisrenten-Rendite 2,0–2,5 % brutto, 1,0–1,5 % netto (Assekurata Marktausblick, 2024; GDV, 2024). Gesamtkosten Basisrente 14–25 % (Finanztest Kostenvergleich, 2023; VZ Baden-Württemberg, 2024). Rentenfaktor 4,0 % (VZ Bundesverband Rentenfaktor-Analyse, 2024; Assekurata, 2024). Besteuerung Rente Ø 30 % im Alter (§ 22 EStG; BMF, 2025).

6. Der Kostenvergleich: Wo Ihr Geld wirklich hingeht

Was bei der Basisrente an Kosten anfällt

KostenartAnteilBei 200.000 Euro Einzahlung
Abschlussprovision (Vermittler)4–8 % der Beitragssumme8.000–16.000 Euro
Verwaltungskosten (jährlich)0,5–2,2 % des Guthabens15.000–30.000 Euro (kumuliert)
Fondskosten (bei fondsgebundenen)0,5–1,5 % p. a.8.000–20.000 Euro (kumuliert)
Gesamtkosten14–25 %28.000–50.000 Euro

Was bei einem ETF-Sparplan an Kosten anfällt

KostenartAnteilBei 200.000 Euro Einzahlung
Abschlussprovision0 %0 Euro
Verwaltungskosten (TER)0,05–0,25 % p. a.1.500–4.000 Euro (kumuliert)
TransaktionskostenMinimal200–500 Euro
Gesamtkosten0,5–2,5 %1.700–4.500 Euro

Die Differenz

Bei 200.000 Euro Einzahlung gehen bei der Basisrente 28.000 bis 50.000 Euro an Kosten ab. Beim ETF 1.700 bis 4.500 Euro.

Differenz: 26.000 bis 45.000 Euro — allein an Kosten. Dieses Geld fehlt der Basisrente bei der Rendite und erklärt einen großen Teil der Leistungslücke.

Und wer verdient an diesen Kosten? Der Vermittler (Abschlussprovision) und der Versicherer (Verwaltungskosten). Nicht Sie.

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7. „Aber mein Rürup läuft doch über ETFs“ — warum das nichts ändert

Ein Einwand, der unter unseren Ads regelmäßig auftaucht: „Schon klar, dass man Rürup ebenfalls mit ETF bedienen kann, oder?“

Ja, das stimmt. Es gibt fondsgebundene und ETF-basierte Rürup-Verträge. Und sie haben tatsächlich eine höhere Renditechance als klassische Rürup-Tarife. Aber sie lösen das Kernproblem nicht.

Stefan Seehofer erklärt das in seinen Videos: „Egal ob klassisch, fondsgebunden oder ETF-basiert: Eine Rürup-Rente bleibt rechtlich dasselbe Produkt. Kein Zugriff auf das Kapital. Keine freie Vererbbarkeit. Keine Kündigung mit Auszahlung. Das ETF-Label erzeugt den Eindruck von Flexibilität — juristisch existiert sie nicht.“

Was eine ETF-Rürup von einem echten ETF-Sparplan unterscheidet

MerkmalETF-Rürup (innerhalb Versicherungsmantel)ETF-Sparplan (direkt beim Broker)
ETF-RenditeJa (gleiche Fonds möglich)Ja
Zusätzliche VersicherungskostenJa (Verwaltung 0,5–2 % p. a.)Nein
AbschlussprovisionJa (4–8 %)Nein
KündbarNeinJa
VererbbarEingeschränktVollständig
KapitalzugriffNeinJederzeit
AuszahlungNur als RenteFrei wählbar
Gesamtkosten12–20 %0,5–2,5 %

Der ETF-Rürup hat dieselben ETFs — aber im Versicherungsmantel. Und dieser Mantel kostet. Die Versicherungskosten fressen den Renditevorteil des ETFs teilweise oder vollständig auf.

„Nicht die Anlageform ist entscheidend, sondern der rechtliche Rahmen des Vertrags.“ — Stefan Seehofer

8. Was Berater hätten zeigen müssen — und warum sie es nicht taten

Die gesetzliche Pflicht

§ 6 VVG verpflichtet Berater, eine anlegergerechte Beratung durchzuführen. Dazu gehört die Darstellung von Alternativen — insbesondere wenn kostengünstigere und flexiblere Produkte zur Verfügung stehen.

Ein seriöser Berater hätte bei einem Selbstständigen, der 1.000 Euro monatlich für die Altersvorsorge zur Verfügung hat, mindestens folgende Optionen darstellen müssen:

  1. Basisrente (mit transparenter Kostendarstellung)
  2. ETF-Sparplan (mit Rendite- und Kostenvergleich)
  3. Kombination aus beidem (z. B. 30 % Rürup für Pfändungsschutz, 70 % ETF für Rendite)

Warum der Vergleich nie gemacht wurde

Die Antwort ist simpel und aus den Instagram-Kommentaren klar ablesbar: Provisionen.

  • Bei einer Basisrente mit 1.000 Euro/Monat über 25 Jahre verdient der Vermittler 12.000 bis 24.000 Euro Abschlussprovision — plus laufende Bestandsprovision
  • Bei einem ETF-Sparplan verdient der Vermittler 0 Euro

Kein Vermittler, der von Provisionen lebt, wird freiwillig eine provisionsfreie Alternative empfehlen. Das ist kein Vorwurf — es ist eine systemische Realität. Und es ist der Grund, warum der ETF-Vergleich in der Beratung fast nie stattfindet.

Warum das rechtlich relevant ist

Das Fehlen einer Alternativendarstellung ist ein eigenständiger Beratungsfehler (§ 6 VVG; § 280 BGB). Wenn Ihr Berater Ihnen keine ETF-Alternative gezeigt hat, ist das ein potenzieller Schadenersatzanspruch — unabhängig davon, ob die Widerrufsbelehrung korrekt war oder nicht. Und Ihre Rechtsschutzversicherung übernimmt in der Regel die Kosten (GDV Musterbedingungen, 2024).

9. Was Sie jetzt tun können

Wenn Sie die Rechnungen gesehen haben und handeln wollen

Schritt 1: Lassen Sie Ihren Vertrag kostenlos prüfen. Rechtsanwalt Stefan Seehofer prüft sowohl die Widerrufsbelehrung als auch die Beratungsqualität — in wenigen Minuten am Telefon.

Schritt 2: Entscheiden Sie informiert. Nach der Prüfung wissen Sie, ob ein Widerruf (120–175 % zurück) oder Schadenersatz (100–135 % zurück) möglich ist.

Schritt 3: Investieren Sie das zurückerhaltene Geld klüger. Die Rückzahlung aus dem Widerruf, angelegt in einen ETF-Sparplan, kann die Verluste der Basisrenten-Jahre in wenigen Jahren aufholen.

Die Zahlen sprechen für sich

Bei einem erfolgreichen Widerruf erhalten Sie typischerweise 120–175 % Ihrer Einzahlungen. Das ist sofort verfügbar, vererbbar und investierbar. Jeder Monat, den das Geld in der Basisrente steckt statt in einem ETF, kostet Sie Rendite.

Kommentar von Rechtsanwalt und Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht, Stefan Seehofer:

„Das Wichtigste ist: Lassen Sie Ihren Vertrag prüfen. Ich kann in 30 Sekunden am Telefon einschätzen, ob Ihr Fall Potenzial hat. Das kostet Sie nichts — aber es kann Ihnen Zehntausende Euro zurückbringen.“

Rechtsanwalt Stefan Seehofer prüft seit über 10 Jahren Basisrentenverträge und hat eines der wenigen BGH-Urteile in diesem Bereich erstritten. Die Erstprüfung ist kostenlos.

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10. FAQ

Ist der Vergleich fair — Rürup hat doch einen Steuervorteil?

Ja, der Vergleich berücksichtigt den Steuervorteil. In den Rechenbeispielen liegt der Netto-Eigenaufwand bei der Basisrente circa 40 % unter dem Brutto-Beitrag (wegen Steuerersparnis). Trotzdem schneidet der ETF deutlich besser ab — weil die Kosten der Basisrente (14–25 %) und die niedrige Rendite (1–2 % netto) den Steuervorteil mehr als aufzehren. Der Netto-Steuervorteil beträgt nur 7–17 Prozentpunkte (Finanztip, 2024; Verbraucherzentrale NRW, 2024).

Was ist mit dem Pfändungsschutz der Basisrente?

Der Pfändungsschutz ist der einzige objektive Vorteil der Basisrente. Wenn Sie als Selbstständiger ein reales Insolvenzrisiko tragen, kann ein kleiner Rürup-Anteil (z. B. 20–30 % der Altersvorsorge) für den Pfändungsschutz sinnvoll sein. Aber: 100 % in die Rürup zu stecken, nur wegen des Pfändungsschutzes, ist wie das ganze Haus abzureißen, weil ein Fenster kaputt ist.

ETFs können auch fallen — ist das nicht riskiger?

Kurzfristig ja — ETFs schwanken. Aber langfristig (15+ Jahre) hat der MSCI World in jedem historischen 15-Jahres-Zeitraum seit 1975 positive Renditen geliefert (MSCI Inc., 2024; Finanztest, 2023). Die Basisrente hat dagegen ein anderes Risiko: Sie liefert garantiert wenig. Die Frage ist nicht „Risiko oder Sicherheit“ — sondern „Welches Risiko ist schlimmer: kurzfristige Schwankungen oder garantiert niedrige Rendite über 25 Jahre?“

Mein Berater sagt: „Sie können Rürup mit ETF kombinieren — das Beste aus beiden Welten.“

Das klingt logisch, ist aber irreführend. Eine Rürup mit ETF-Baustein hat dieselben ETFs — aber im teuren Versicherungsmantel. Die Versicherungskosten (0,5–2 % p. a. zusätzlich) fressen den ETF-Vorteil teilweise auf. Und die rechtlichen Einschränkungen (nicht kündbar, nicht vererbbar, kein Kapitalzugriff) bleiben vollständig bestehen. Stefan Seehofer dazu: „Nicht die Anlageform ist entscheidend, sondern der rechtliche Rahmen.“

Warum hat mir mein Berater nie einen ETF-Vergleich gezeigt?

Weil ein ETF-Sparplan keine Provision generiert. Bei einer Basisrente verdient der Berater 6.000–24.000 Euro Abschlussprovision. Bei einem ETF-Sparplan: 0 Euro. Das Fehlen einer Alternativendarstellung ist ein Beratungsfehler (§ 6 VVG) und kann einen Schadenersatzanspruch begründen.

Kann ich meine Basisrente widerrufen und dann in ETFs investieren?

Ja — und das ist genau das, was die meisten Mandanten nach einem erfolgreichen Widerruf tun. Die Rückzahlung (120–175 % der Einzahlung) wird in ein breit gestreutes ETF-Depot investiert. So holen Sie die verlorenen Jahre auf und bauen eine echte, flexible Altersvorsorge auf.

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Fazit: Die Zahlen lügen nicht

Die drei Rechenbeispiele zeigen ein klares Bild: Die Basisrente liefert in allen Szenarien deutlich weniger als ein ETF-Sparplan — bei gleichzeitig weniger Flexibilität, weniger Vererbbarkeit und weniger Kontrolle.

Der Steuervorteil — das einzige Argument für die Basisrente — reicht nicht aus, um die Kosten- und Renditenachteile zu kompensieren. Und er wurde Ihnen bei der Beratung als größer dargestellt, als er tatsächlich ist.

Wenn Sie eine Basisrente haben und diesen Vergleich zum ersten Mal sehen: Lassen Sie Ihren Vertrag prüfen. Der Widerruf oder Schadenersatz kann Ihnen die Möglichkeit geben, Ihr Geld in eine echte Alternative umzuschichten.

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Quellen

  • MSCI Inc. — MSCI World Index historische Performance-Daten 1975–2024, Durchschnittsrendite 7,9 % brutto, 2024
  • Finanztest (Stiftung Warentest) — ETF-Langzeitvergleich, Kostenvergleich Basisrenten, 2023
  • Assekurata — Marktausblick Lebensversicherung, Renditeentwicklung, 2024
  • GDV — Lebensversicherung in Zahlen, 2024
  • Verbraucherzentrale Baden-Württemberg — Marktuntersuchung Basisrenten-Kosten, 2024
  • Verbraucherzentrale NRW — Basisrenten-Ratgeber, 2024
  • Verbraucherzentrale Bundesverband — Rentenfaktor-Analyse, 2024
  • Finanztip — Steueranalyse Basisrente, Basisrente vs. ETF, 2024
  • BMF — Besteuerungsanteile § 22 EStG, 2025
  • BaFin — Leitlinien Provisionsoffenlegung, 2024
  • BGH — Urteil IV ZR 161/23, Oktober 2023

Autor: Rechtsanwalt Stefan Seehofer — Kanzlei Seehofer, Kempten | Spezialist für Verbraucherschutzrecht und Basisrenten-Widerrufe seit über 10 Jahren