Das Landgericht Nürnberg verurteilt beratende Sparkasse zum vollständigen Schadensersatz wegen verschwiegener Provisionen.

Das LG Nürnberg-Fürth hat in einem von der Kanzlei Seehofer erstrittenen Urteil vom 25.11.2013 eine fränkische Sparkasse zum vollständigen Schadensersatz im Hinblick auf zwei Beteiligungen an dem Bayernfonds BestLife (=Life US Solutions I L. P.) verurteilt. Die von der Kanzlei Seehofer vertretene Klägerin, die auch Schadensersatzansprüche aus abgetretenem Recht ihres Ehemannes geltend gemacht hatte, hatte sich im Juni 2005 zusammen mit ihrem Ehemann an dem Bayernfonds BestLife in Höhe von jeweils 22.000,00 USD beteiligt. Dabei wurden beide Anleger nicht über die an die beratende Sparkasse geflossenen Rückvergütungen/Provisionen aufgeklärt.

Das Landgericht urteilte, dass gemäß der gefestigten Rechtsprechung des BGH eine Bank bei einer Anlageberatung verpflichtet ist, ungefragt über vereinnahmte Rückvergütungen aufzuklären. Darüber hinaus urteilte das Landgericht, dass der Emissionsprospekt, selbst wenn er einen Tag vor der Zeichnung übergeben worden wäre, nicht als taugliches Mittel der Aufklärung dienen kann, da dies nicht rechtzeitig ist vor dem Hintergrund des umfassenden Prospektinhalts (132 Seiten) sowie der teilweise „inhaltsleeren Anglizismen und anderer Fremdwörter“.

Eine gedankliche Auseinandersetzung mit einem solchen Emissionsprospekt dauert nach Ansicht des Landgerichts mehrere Tage. Dies war im vorliegenden Fall unstreitig nicht gegeben, weshalb insoweit auch keine Aufklärung durch den Emissionsprospekt erfolgen konnte.

Darüber hinaus verurteilte das Landgericht Nürnberg-Fürth die beratende Sparkasse zum Ersatz von entgangenem Gewinn in Höhe von 2 % per anno, da durch unsere Kanzlei für die Klägerseite vorgetragen wurde, dass alternativ eine Anlage auf einem Sparbuch erfolgt wäre. Schließlich wurde die Sparkasse auch zum Ersatz der vorgerichtlich angefallenen Rechtsanwaltskosten verurteilt sowie zur Freistellung von sämtlichen zukünftigen steuerlichen und wirtschaftlichen Nachteilen im Zusammenhang mit den beiden Beteiligungen an dem Bayernfonds BestLife.